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photocase2m58tmwf2_eyelab_.jpgIch stehe an der Straßenkreuzung und nehme von dem Herrn neben mir plötzlich Notiz. Er sieht einem Politiker, einem bekannten, österreichischen Politiker sehr ähnlich. Wäre nicht das Parlament in unmittelbarer Nähe, käme ich selbstverständlich nie auf die Idee, in diesem Mann einen der ehemals prominentesten Politikern Österreichs zu sehen.

Ich starre diesen Herrn also an, wie ich eben immer starre, wenn mich etwas besonders interessiert. Von vermeintlich guten Freunden wurde mir mein Starren bereits mehrfach vorgeworfen. "Starr nicht so." wurde mir zugeflüstert und was machte ich? Ich starrte natürlich weiter, ungeniert. Genaus so ungeniert tat ich dies nun auf den Herrn neben mir.

"Guten Tag Herr Schüssel." entfährt es mir ungebremst. "Sind Sie es wirklich?"

Der Herr neben mir, der vermeintliche Herr Schüssel, blickt mich durch seine randlose Brille an. Er lächelt etwas erheitert, beinahe könnte ich so etwas wie Spott in seinem Lachen identifizieren, hauchfein, kaum vorhanden und doch. Ganz hauchfein spöttisch. So wie ein Erwachsener ein Kind anlächelt, wenn es sich an einer Sache versucht, bei der der Erwachsene in der Sekunde weiß, dass es diese nicht meistern wird. Dann lacht der Erwachsene in 90 von 100 Fällen spöttisch.

"Wie haben Sie mich erkannt? Hier, an dieser Kreuzung und in meinem Freizeitgewand?"

Der enttarnte Wolfgang Schüssel, Ex-Kanzer dieser Republik, einfacher Parlamentarier, wie er behauptet und es niemand glaubt, blickt mich also hauchfein spöttisch an und fährt fort:

"Wissen Sie, wenn wir nicht in der Nähe des Parlaments gewesen wären, dann hätten Sie mich niemals erkannt. Die Leute sind ja immer so fassungslos, dass ich in Natura viel besser aussehe, als auf den meisten Fotos oder im Fernsehen. Was habe ich mich mit Fachleuten beraten, wie ich über diverse Medien besser hinüber komme. Hunderte Stunden habe ich mich beraten lassen. Alles vergeblich. Das war letztlich auch der Grund, warum ich in der Direktwahlwerbung so hervorragend abschnitt. Sie müssen sich einmal die Mühe machen und sich die Bezirke ansehen, in Österreich, in denen ich persönlich war und die, wo nur Plakate von mir hingen. Das ist kein Vergleich. Genützt hat es freilich trotzdem nichts. Aber glauben Sie mir mein Herr, einen Wolfgang Schüssel vertreibt man nicht. Er kommt wieder. Und bis dahin ziehe ich eben im Hintergrund die Fäden und mache, was im Namen der Republik gemacht werden muss.

Ich danke Ihnen für das anregende Gespräch. Habens einen wunderbaren Nachmittag. Auf Wiedersehen!"