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Mein Leben als Bauer E-Mail

aboutpixel_de_landwirtschaft_forke_2.jpgNicht mal die engsten Freunde wissen es, dass ich einmal für 3 Jahre ein Leben als Bergbauer fristete. - Wobei, von "fristen" kann keine Rede sein, es war eine glückliche Zeit und von dort oben hatte ich täglich einen sensationellen Weitblick, der mir in späteren Jahren sehr oft verborgen blieb. Ich war so gut wie autark in der Versorgung, nur in der Kommunikation "nach unten" mangelte es.

Internet gab es damals nicht und schon gar nicht am Bauernhof. Mobilfunk gäbe es, aber so ein Telefon kostete damals umgerechnet knappe 1.000 Euro. Was blieb, war ein altes Festnetz mit einem noch älteren Telefonapparat, natürlich ein Apparat mit Wählscheibe und darauf leicht abgeschliffenen Ziffern. Wählte ich eine Nummer, dann ratterte das Wählrat so laut vor sich hin, dass es in der heutigen, modernen Zeit keinen passenden Vergleich dazu gäbe. Zum Glück handelte es sich um einen vollen Anschluss und nicht um ein Viertel- oder Halbtelefon, bei denen man immer warten musste bis der Nachbar endlich mit seinem Gespräch aufhörte, um selbst telefonieren zu können. Es muss damals sehr teuer gewesen sein, sich die Leitung von der Post legen zu lassen, aber der Besitzer des Hofes legte großen Wert darauf rasch Kontakt in die Welt zu bekommen, schließlich stand es um seine Gesundheit nicht zum Besten.

Letzteres war auch der Grund der mich auf den Hof verschlug. Ich las in einer konventionellen Tageszeitung ein Inserat, in dem eine Aushilfe für einen Bauernhof gesucht wurde. Nachdem ich in einer nicht unwichtigen Phase meines Lebens Bauer werden wollte, meldete ich mich bei der angegebenen Telefonnummer. Am anderen Ende der Leitung war besagter Bauer und er erzählte mir, dass er eine dringende Operation vor sich hätte, in weiterer Folge einen Rehab-Aufenthalb von nicht unbedeutender Dauer vor ihm stünde, er danach noch immer nicht voll einsatzfähig sei und auf fremde Hilfe angewiesen wäre. Er schätzte die Zeit meiner Anwesenheit auf mindestens 2 Jahre. Letztlich wurden es 3 Jahre. Nicht, dass er mich so lange gebraucht hätte, aber ich fand gefallen am Bergbauerndasein, wir verstanden uns prächtig und er war dankbar, dass ich seinen Betrieb mit meinen damals jungen Kräften so anzukurbeln vestand.

Nach einer kurzen Einschulungszeit verabschiedete sich der Bauer von mir, ließ sich von der Rettung abholen und in das nächstgrößte Bezirkskrankenhaus bringen. Freilich blieben wir vor und nach der Operation in telefonischem Kontakt, schließlich wollte er wissen wie es mir und dem Hof ginge und umgekehrt wollte ich wissen, wie es um seine Gesundheit bestellt sei. Meine Horrorvision war nämlich diese, dass ich den gesamten Betrieb zu liquidieren hätte um den Erlös daraus der Katholischen Kirche Österreichs zuzuführen. So trug es mir der Bauer im Falle seines Ablebens auf. Schließlich gab es keine Verwandten und er war das letzte Mitglied seiner familiären Linie. Nachdem er streng gläubig war, stand es in seiner Absicht seine keinesfalls freiwillige Himmelfahrt mit einem dicken Geldpolster zu unterfüttern, um drüben ein besseres Plätzchen zu erhalten.

Mühevoll erschien mir damals der Tagesrhytmus, schließlich war ich es nicht gewohnt gegen 5 Uhr aufzustehen um die Stallarbeit zu verrichten. Nach und nach dehnte ich die Zeit des aufstehens auf 6 Uhr aus und letztlich auf halb 7. Langsam führte ich das Vieh mit all seinen Bedürfnissen auf die von mir anvisierte Zeit hin, was zuerst mit lautem Protest quittiert und schließlich gut akzeptiert wurde. Nein - ich musste die Kühe keinesfalls händisch melken, ich hätte es zwar gekonnt, aber am Hof war ein elektrischer Melkeimer vorhanden. Zu einer richtigen Melkanlage mit Rohren in denen die Milch in die Milchkammer floss, dazu reichte es nicht, aber selbst dieser Melkeimer war schon ein Segen. Denn in der Zwischenzeit, wenn die jeweilige Kuh gemolken wurde, konnte ich andere Arbeiten im Stall erledigen.

Nach und nach hatte ich das Gefühl, dass sich die Tiere so sehr an mich gewöhnten, als wäre ich schon immer der Bauer hier am Hof gewesen. Und umgekehrt, mir schien es so, als wäre ich bereits Jahrzehnte in diesem Gewerbe tätig und vieles passierte ohne, dass ich extra dafür angelernt wurde. Ich verstand es Heu zu machen, ich wusste um das Korn, den Mais und so weiter. Als Bergbauer hatte man für Korn und Mais sowieso nur kleine Flächen zur Verfügung, es wurde alles händisch geerntet, gedroschen, gefiedert und was weiß ich noch was. Für die Ernte stand mir eine kleine Anzahl an Nachbarn zur Verfügung die mir aushelfen konnten. Umgekehrt musste ich an verschiedenen Tagen dann bei diesen Nachbarn in der Ernte aushelfen. Damals war das so.

Abends war ich so müde, dass ich zwar noch etwas fernsehen konnte, dazu standen mir 2 Programme zur Verfügung, die in einer leicht vergrieselten Form über den Bildschirm kamen, aber in der Regel schlief ich sowieso bereits in den ersten 20 Minuten vor dem altertümlichen Gerät ein. Spätestens nach Sendeschluss wachte ich durch das laute Zischen des damals obligaten "Ameisenhaufens" auf, die Bundeshymne verschlief ich regelmäßig.

Nachdem es unmöglich ist 3 Jahre meines Bergbauerndaseins in einem einzigen Blog abzuhandeln, wird er demnächst zu diesem Thema fortgeführt.