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Vorgestern war es noch so E-Mail

about_pixel_de_bertram_64.jpgWorauf darf man sich in diesen Zeiten verlassen? Findet der angesagte Flug statt oder wird er aufgrund der "Wolke" abgesagt? Wird der Wonnemonat Mai ein solcher oder gibt es bedingt durch die Eisheiligen kalte Füße und sanft aufsteigende Verzweiflung? Sind Freunde noch solche oder wundern sie sich über die soeben aufscheinende Telefonnummer am Display?

Im Grunde kann man sich auf nichts mehr verlassen. Früher sagten das noch unsere Großeltern und wir belächelten sie. Heute murmeln wir diese heilige Erkenntnis bereits immer wieder und ertappen uns dabei unseren Großeltern gleich zu werden. Nein, das weiße Haar fehlt uns noch, lichtes Haar gibt es allemal. Man kann sich auf nichts mehr verlassen, heute nicht, gestern nicht und vorgestern war es noch ganz anders.

Es drängt sich die Frage auf, warum sich alles so offensichtlich zu unseren Ungunsten verändert und ob "die Jungen" die Veränderung ebenso wahrnehmen wie wir es tun, oder ob wir uns tatsächlich in einer großelterlichen Veränderungsmaschinerie befinden, die ausschließlich wir, in diesem bestimmten, besagten Alterssegment uns befindenden, wahrnehmen.

Es wird nicht mehr lange dauern und wir werden im Halbkollektiv feststellen, dass "früher alles besser war". Bis dahin werden unsere Häupter weißer sein, aber wir nicht weiser. Das Halbkollektiv wird sich also das weiße Haar raufen und gegen den Himmel deuten um ihn da oben zu fragen, was da vor sich geht. "Die Jungen" kennen es nicht anders und werden uns, wie wir zuvor unsere Großeltern, sie werden uns für von gestern oder vorgestern halten. Nicht mehr in der Lage mitzuhalten. Dabei ist eh alles so wie immer. Die können eben nicht anders.

"Wahrnehmungsverschiebung" wird uns wissenschaftlich nahe gelegt. Es liegt einzig und allein an UNSERER Wahrnehmung und doch werden wir aufzeigen und lauthals feststellen, dass WIR noch immer nicht verschoben sind und sehr klar merken was ist und was nicht. Wir werden aufzeigen und ihnen, den Wissenschaftlern, lauthals zurufen, dass unsere Wahrnehmung in Ordnung sei und trotzdem nichts von alledem noch so ist, wie wir es bis vor kurzem gewohnt waren. "Wahrnehmungsverschiebung" werden sie uns wieder entgegenhalten - bis wir merken, dass sich auch die Wissenschaft unserer Erreichbarkeit entzogen hat und wir mit den anderen weißen Häuptern wohl wissend nicken, aber nicht mehr nach außen zu dringen vermögen. Was ist, was kommt, was war tatsächlich, was ist real, was ist Fiktion oder "Wahrnehmungsverschiebung"?

Vorgestern war es noch so und täglich stellen wir uns und einander die Frage, warum es gestern bereits ansatzweise anders war und heute spürbar verändert ist. Sind wir die Veränderung? Liegt die Veränderung im Wesen der Unnatur und sind wir nicht mehr in der Lage vorprogrammierte Veränderungen mitzutragen? Ist es nötig sie mitzutragen oder gibt es bereits Generationen die sie ungefragt an sich genommen haben und sie nach ihren Ideen, nach ihren Programmen wachsen lassen? Vorgestern war es noch so - und ist es heute tatsächlich anders?