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Lange Wintertage E-Mail

aboutpixel_de_stormpic_vier_asse_ohne_2.jpgFrühling, Sommer und Herbst vergingen immer sehr rasch, in den 3 Jahren meines Bergbauerndaseins. Die Winter zogen sich etwas, vor allem wenn es Tage schneite und ich weder vor noch zurück konnte. In der Regel kam am Ende des Schneefalls, so nach 2 - 3 Tagen ein Schneepflug der nahen Ortsverwaltung vorbei und dockte den Hof wieder an das Leben da unten an. Meist machte der Fahrer bei mir am Hof eine Rast und weil ich kommunikationstechnisch leer, weil wintereinsam war, empfing ich ihn jeweils mit offenen Armen und bot ihm zum Austausch von mehr oder weniger interessanten Gesprächen Speis und Getränk.

Im Gegenzug schob mir der Fahrer des Schneepflugs, nach der Jause, die Schneeberge im Hof ein Stückchen weiter, so weit, dass ich es mit dem Traktor nie geschafft hätte. Darauf konnte ich mich immer verlassen, wie auf das regelmäßige Ticken meiner alten Stubenuhr. Eine weibliche, fette, träge Katze lebte mit mir am Hof, die besuchte mich regelmäßig in der Stube und holte sich ihr Futter und ihre Streicheleinheiten ab. Dann verschwand sie wieder auf etliche Stunden und weiß der Kuckuck wo sie sich immer herum trieb.

Ich darf nicht übertreiben. Die Einsamkeit hielt sich in Grenzen, denn selbst beim ärgsten Schneetreiben schaffte ich es mühelos zum Nachbarhof um dort eine Partie Karten zu spielen. Dabei wurden die aktuellsten Schnäpse verkostet und es passierte nicht einmal, dass es mich beim Nachhausegehen am schneedurchtränkten Weg der Länge nach hinschmiss. Dann blieb ich mit dem Gesicht nach unten liegen und genoss das kalte Gesichtsbad. Nach dem vielen Schnaps war mir ohnehin durch das innere Feuer so heiß, dass ich den Schnee am Weg hätte damit verbrennen können. So lag ich für ein, zwei Minuten da und genoss die Kühle. Angeblich wären genau so auch schon Leute erfroren, weil sie eingeschlafen sind. Dazu reichte es bei mir nie. Irgendwann wurde es mir kalt, dann krabbelte ich wieder auf, klopfte den Schnee von Jacke und Hose und zottelte weiter. Unterwegs traf ich meist die Katze und nahm sie mit in die Stube. Die sah mich jeweils verwundert an und wird sich ihren Teil gedacht haben.

Im Winter widmete ich mich, wie jeder andere Bauer auch, der Instandhaltung. Ich malte den Stall neu aus, wobei ich von weiß abkam und anregende, warme Farben nahm. Angeblich unterstützt das die Kühe bei der Milchproduktion. Mit Mozartbeschallung wollte ich es auch versuchen, doch ich kam nie dazu. Ein Fixpunkt des Tages war Holz zu hacken. Das blieb mir nicht erspart und verschonte mich vermutlich auch davor, dass ich in den dunklen, kalten Tagen unendlich zunahm. Der Traktor wollte überholt werden, das Öl musste gewechselt werden und vieles mehr. Nicht selten rief der karenzierte Bauer aus der Rehab an um den Stand der Dinge abzufragen und mich mit weiteren, offenen Aufgaben zu versehen.

Der Winter war auch Backzeit, Brot, Kekse und Reindling in erster Linie. Nachdem ich im Winter keinen Markt besuchte, gab ich die Bäckerei, einige Masthühner und Eier von den Legehühnern dem Nachbarbauer mit, der sie an seinem Stand verkaufte. Der Nachbarbauer fuhr nämlich auch im Winter einmal die Woche auf den Markt um seine Ware feil zu bieten, schließlich hatte er eine Familie zu versorgen.

In den Wintermonaten, abgesehen von den Kartenspielabende beim Nachbarn, war das Sprichwort "mit den Hühnern schlafen zu gehen" ein guter Bestandteil meines bäuerlichen Lebens. Nachdem ab Einbruch der Dunkelheit noch weniger zu tun war und die körpereigenen Kraftreserven vom arbeitsreichen Sommer längst verbraucht waren, schlief ich sehr früh, sehr tief und sehr gern.