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Ich fliege Ballon E-Mail

photocase_de_marqs_bopg66a72.jpgDie Headline zwingt den Leser spontan festzustellen, dass man "Ballon fährt", nicht fliegt. Meine Art des Ballongebrauchs jedoch lässt die Formulierung "Ballon fliegen" ohne Widerspruch zu. Und wer es nicht glaubt ist spätestens jetzt gezwungen weiter zu lesen.

Unter Ballon fahren versteht man doch landläufig in einen großen Korb zu steigen, sich das Gebrüll von entweichendem Gas zu geben und sanft aufzusteigen, so kein Wind weht. Unter meinem "Ballon fliegen" verstehe ich natürlich ganz was anderes, daher der in einer halben Ewigkeit beschriebene Begriffsunterschied.

Ich gehe in das Jonglierbedarfsgeschäft einige Häuser weiter und kaufe mir dort extra große Luftballons. Vor wenigen Jahren brauchte ich nur 20 Stück, nun sind es 40. Dann gehe ich zum Vereinslokal der Grünen und leihe mir dort eine große Gasflasche aus. Die bekomme ich vertrauensvoll nur deshalb, weil die glauben, ich würde mich in den nahen Park stellen und ihre Werbe-Luftballons verteilen. Die verteile ich natürlich schon, aber eben vollkommen ohne Gas. Sind zwar weniger beliebt, aber was soll ich tun. Das Gas benötige ich für die extra großen Luftballons und da komme ich mit einer Gasflasche gerade noch aus, selbst bei 40 Stück.

Für die Ballons, die extra großen, habe ich mir ein kleines Gerüst gebastelt und rundherum um das Gerüst kommen sie fein säuberlich aufgefädelt. Vollendet sieht es aus wie eine große bewegliche Blume. Davor werden die Ballons liebevoll mit dem Gas der Grünen befüllt und gut zugeknöpft, damit mir nicht das selbe passiert wie vor 2 Jahren, ich war schlampig und aus mindestens der Hälfte der Ballons entwich das Gas schneller als mir lieb war. Eine mindestens 100jährige Linde bewahrte mich vor einer heftigen Kontaktnahme mit dem sommerlich heißen Straßenasphalt. Noch heute zeugen 2 kleine Narben von meiner Bekanntschaft mit der ruppigen, aber Leben rettenden Linde.

Ich befülle also die extra großen Luftballons mit Gas, knüpfe sie nach bestem Wissen zu und verbinde sie mit dem Korbgestell, das über zwei Karabinerhaken fest mit der Erde verbunden ist. Sobald ich damit fertig bin, schaffe ich die Gasflasche beiseite (ich lege sie vorübergehend ins nächste Gebüsch) und stelle mich in das Korbgestell, schnalle es mir auf die Schulter, nehme noch den Sack mit den Luftballons der Grünen und löse die beiden Karabinerhaken. In der Regel dauert es dann maximal 1 Sekunde und ich steige langsam aber stetig auf. Kaum 100 Meter aufgestiegen, öffne ich den Sack mit den Luftballons und werbe grün. Manche Menschen sehen verdutzt nach oben und ich rufe hinunter: "Wählen Sie grün, auf Wiedersehen!" Würde ich nicht das Gas bekommen, könnte ich zur Zeit keinesfalls ruhigen Gewissens die Grünen empfehlen, sondern mangels Alternativen jedem auf die Schulter klopfend raten doch eine eigene Partei zu gründen um es besser zu machen.

So ein Ballonflug dauert in der Regel eine knappe Stunde, dann tut mir alles weh, es ist einfach wenig komfortabel in dem Korbgerüst zu hängen. Wenn ich genug habe, hole ich mir aus einem Sack der am Korbgerüst verknotet ist eine lange Stricknadel, nein ich beginne keinesfalls zu stricken, ich steche damit vielmehr einen Ballon nach dem anderen gekonnt ab. Mit einem lauten Krach entweicht jeweils das Gas und ich beginne in der jeweiligen Geschwindigkeit der bestochenen Ballons zu sinken. Natürlich ist dazu entsprechendes Fingerspitzengefühl nötig, sonst gibt es eine Dach-, Baum- oder sonst wo Landung mit den dazu gehörenden Blessuren.

Ich kann diese Art des Fliegens nur empfehlen, kostet nicht viel und macht ungeheuren Spaß.