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Warten auf die Pension E-Mail

aboutpixel_de_virra_viererbank_2.jpgDie Pension ist oft mit sehr viel Ballast verbunden, mit Krankheiten, Pessimismus, Einsamkeit, das Gefühl von Nutzlosigkeit, dem Tod und vielem mehr. Ein Thor ist, der glaubt in der Pension erst richtig aufleben zu können um nachzuholen, was er mitten im Leben versäumte. Mitten im Leben zu stehen, sich vom Stress beinahe wegspülen zu lassen um gelegentliche Tagträume in die Zeit der Pension zu datieren.

Vor vielen Monaten lernte ich eine sehr tüchtige Geschäftsfrau kennen, sie lag mit 63 Jahren gerade im Sterben, der Prozess dauerte einige Tage. Angehörige erzählten mir, dass sie wahnsinnig viele Pläne für die Pension hatte und davor nur Arbeit kannte, sonst blieb für nichts Zeit, außer für einige Tagträume, was sie nicht alles in der Pension machen wollte. Mit 62 und dem Pensionsantritt bekam sie Krebs, mit 63 starb sie, mit ihr ihre Tagträume. Die Angehörigen erzählten auch, dass sie die Hiobsbotschaft über ihre unheilbare Erkrankung beinahe in den Wahnsinn trieb und sie oft lange vor Seelenschmerz schrie.

Dieses und andere Beispiele aus dem satten Geschäftsleben bezeugen, dass es viel besser wäre doch bereits zum Pensionsantritt sagen zu können, ich habe ordentlich gelebt, jetzt kommt die Verzierung oder was auch immer.

Dabei erinnere ich mich gerade, dass in wenigen Monaten der Direktor des Naturhistorischen Museums in Pension geht. Er wird das tun, was er immer tat. Die Natur dabei unterstützen, dass sie auch weiterhin auf vielen Hektar unberührt, soweit das heute noch möglich ist, vor sich hin vegetieren kann. Unvergessen ist der Ausflug mit ihm in die Hainburger Au, gemeinsam im Kanu, Biber die nicht auftauchen wollten zu beobachten. Was hatte dieser Mann alles zu erzählen. Selbst am Abend, als alle müde in der Stube saßen und den selbst gebrauten Met tranken, schwiegen, ihn beobachteten, selbst da wusste er noch immer unentwegt die spannendsten Geschichten zu erzählen. In ihm brannte nicht ein Feuer sondern Tausende. Nur einmal kam ich ihm gehörig in die Quere.  Man stelle sich einen Event im Naturhistorischen Museum vor, es war schick und beredt. Es gab eine Führung durch das Haus auf das Dach, geführt durch den von mir verehrten Direktor. An meiner Seite die damalige Frau des damaligen Bundeskanzlers, jener Bundeskanzler, der heute für einen großen Autokonzern in Argentinien arbeitet.

Die Frau Bundeskanzler und ich verstanden einander gut, so gut, dass wir unentwegt miteinander sprachen. Bis mich der Direktor des Museums in einem günstigen Augenblick anherrschte, ich solle doch die Frau Bundeskanzler nicht ununterbrochen blockieren, schließlich müsse er auch noch einige persönliche Anliegen zu Gehör bringen. Die Warnung der vielen Feuer bewirkte meinen Rückzug und ich konnte ihn dabei beobachten wie er Süßholz raspelte und das eine oder andere Projekt dem Herrn Bundeskanzler weiter empfahl. Nicht wissend, dass dessen Flamme bald erlischt, ausnahmsweise nicht durch einen Pensionsantritt.