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Abends war es mitunter eintönig E-Mail

aboutpixel_de_jentzig_08-06-14-huhn-hahn_2.jpgIn den 3 Jahren meines bergbäuerlichen Daseins gab es immer etwas zu tun und obwohl ich kein Internet hatte und ausschließlich nur 2 Fernseh- und 6 Radioprogramme UKW, etwa 30 Programme Mittelwelle und geschätzte 200 Programme Kurzwelle, keimte keineswegs Langeweile in mir auf. Davon abgesehen, waren die Abende ausgesprochen kurz, die Müdigkeit, hervorgerufen durch permanente körperliche Anstrengung, forderte ihren Tribut.

Die Tage verliefen grundsätzlich sehr ähnlich. Aufstehen nach 6 Uhr, Stallarbeit um halb 7, danach in Ruhe frühstücken und dabei die Nachrichten auf Ö1 hören, eventuell einige Telefonate mit dem alten Festnetz führen und dann ging es meist auf das Feld, in den Garten oder nochmals in den Stall. - Je nach Jahreszeit.

Das Gras wurde damals noch mit einer Sense gemäht. Es gab zwar auch einen Balkenmäher, benzinbetrieben, aber der eignete sich ausschließlich für halbwegs ebenes Gelände. Das gab es zwar auch, aber eben nicht überall. Es dauerte ein Weilchen bis ich es verstand die Sense gut zu schärfen und vor allem bei Cuts auch zu dengeln. Beim Bauern sahen die paar wenigen Handgriffe so einfach aus, ich rutschte nicht nur einmal ab und fiel mit der offenen Hand in die schlecht geschärfte Sense. Dass sie schlecht geschärft war, war mein Glück, sonst wären meine Narben aus dieser Zeit gnadenloser ausgefallen.

Es war wieder einmal so ein Tag an dem ich gute 3 Stunden mit der Sense in der Hand am Wiesenhang stand und das mittlerweile sehr hohe Gras schnitt. Der Schnitt erfolgte gegen 9 Uhr, um 13 Uhr wurde das erste Mal mit der Heugabel gewendet, gegen 15 Uhr nochmals. Und nachdem das Gras noch immer nicht trocken war, beschloss ich es in der Nacht draußen zu lassen. Es zog dann zwar regelmäßig nochmals die Feuchtigkeit der Nacht an, aber mit einem zweiten Tag war es dann so trocken, dass es in den Stadel verbracht werden konnte ohne, dass ich mich um eine Selbstentzündung fürchten musste. Nichts schärfte mir der Bauer vor seiner Operation mehr ein als auf die verdammte Selbstentzündung obacht zu geben.

Am Donnerstag waren auch jeweils die Hühner an der Reihe. Ein regelmäßiger Verdienst waren nicht nur deren Eier, die am Bauernmarkt am Samstag, unten im Ort, verkauft wurden, auch Masthühner wurden regelmäßig geschlachtet und für den Samstag vorbereitet. Diese Aufgabe hätte ich am liebsten delegiert, aber wer hätte die Hühner abmurksen sollen? Hätte ich den Nachbarn darum gebeten, dann wären die Erlöse in keiner Relation zu den finanziellen Aufwänden gestanden. Also machte ich mich pünktlich jeden Donnerstag gegen 17 Uhr auf um mindestens 10 wohl genährte, nicht zu alte Masthühner aus dem Stall zu holen, um ihnen draußen am Misthaufen den Hals mit einem halbwegs scharfen Messer durchzuschneiden. Sie schrien wie am Spieß und versuchten ihrem Schicksal zu entkommen. Ein einziges Mal ist mir eines dieser Hühner ausgekommen, es ist im angrenzenden Wald verschwunden und nie wieder gesehen worden. Ich gehe davon aus, dass es vom Hund des Nachbarn gefressen wurde oder von einem der zahlreichen Füchse. In unmittelbarer Nähe des Misthaufens gab es eine kleine Aufhängevorrichtung an der die, dem Leben entnommenen Hühner zum Ausbluten aufgehängt werden konnten. Meine Abendbeschäftigung für Donnerstag und Freitag bestand aus dem Rupfen der Hühner. Anfangs kitzelten mich vor allem die feinen Federn in der Nase, später gewöhnte ich mich daran.

Hühner zu rupfen fand ich entsetzlich, einzig, dass ich einige Stunden aufmerksam das eine oder andere Radioprogramm verfolgte hielt mich bei Laune und bewahrte mich davor zu verzweifeln und das Stück totes Fleisch in ein Eck zu werfen. Spätestens jedoch die zahlreichen Gespräche am samstäglichen Markt ließen mich zudem die Strapazen des Hühnermordens und mein damals kärgliches Leben vergessen.