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Eine abenteuerliche Ballonfahrt E-Mail
aboutpixel_de_stormpic_feuer_frei_2.jpgZu runden Geburtstagen bekommt man oft unnütze Dinge geschenkt, sprechende Wasserwaagen, singende Fische aus Gummi, auf ein Holzbrett genagelt oder einen Spazierstock der geschätzte 170 Nationalhymnen zu spielen vermag. Alles andere als unnütz war die mir übergebene Ballonfahrt, denn eine solche wünschte ich mir seit tausend Jahren. Eventuell reinkarnierte besagter Wunsch mit mir bereits einige Male mit und manifestierte sich dadurch zu einem unbedingtem "must".
Nun liegt er in seiner unendlichen Größe vor mir, besagter Ballon und der Führer unseres Gespanns atmet ihm gerade die ersten Sequenzen warmer Luft ein. Eine knappe Stunde später ist er bereits über uns und die Zeit des Einstiegs unmittelbar vor uns. Normalerweise hätte er ein kleines Treppchen mit um den Einstieg zu erleichtern, diesmal blieb es aus einem Versehen in der Garage und ich war also gezwungen mich über den Korb ins Innere fallen zu lassen. Von Eleganz keine Spur. Kaum waren der Fahrer und ich im Ballon, entließen uns die Starthelfer in den blauen Himmel. Sie würden uns die nächsten Stunden am Boden begleiten, versprachen sie und grinsten merkwürdig.

Der Ballon hebt ab und wir kommen dem Himmel so unvermittelt nahe, dass ich ihn zu ergreifen vermochte. Da, da drinnen, mitten im lichten Blau, da liegt wohl die göttliche Intelligenz, denke ich mir und lächle meinen Fahrer seelig an. Dieser lächelt zurück und feuert kräftig in den Ballon und wir steigen mit einem sanften Ruck weiter nach oben. Unter uns werden die Häuser immer kleiner, die Bäume werden zu Stecknadeln und die Autos sehen aus wie Spielzeugdinger. Gelegentlich werden wir von einem Vogel begleitet, neugierig beäugt, vielleicht belächelt und wieder verlassen. Fette Ballonvögel sind nicht gefragt und finden beim Federvieh keinen Anschluss.

"PfffffPfffffSchPffff" so ählich klingt der Gasbrenner, der sehr laut, sehr eindringlich immer wieder warme Luft in den Rachen des Ballons speit. Unter uns ein See, über uns, weit über uns ein Flugzeug, das seinen Kondensstreifen nachzieht und unsichtbar werdend auf uns sinken lässt.

"Die Abgase aus den Kondensstreifen vernichten den Ballon." will mir mein Fahrer erklären und schiebt nach, dass die Abgase so aggressiv auf das Ballonmaterial reagiert, dass er schon das eine oder andere Leck dadurch hatte. Meine Knie werden weich und ich frage ihn, ob uns das heute auch passieren könnte. Er nickt bestimmt und meint, es könne uns nichts passieren, denn ein langsames Absinken wäre immer drinnen. Ich war beruhigt, bis ich eine halbe Stunde später ein undefinierbares Rauschen höre.

"Das ist so ein Leck." ruft der Ballonfahrer und hantiert nervös mit seinem Funkgerät, um der Bodenbegleitung die Umstände zu erklären.

Wir verlieren merkbar an Höhe und der Korb beginnt sich langsam zu drehen. Mir wird übel und ich ertappe mich dabei, wie ich mir die Landung, drehend, vorstelle. Ich übergebe mich über den Korbrand und blicke meinem Mageninhalt nach wie er in Tropfenform nach unten fällt und in wenigen Sekunden nicht mehr zu sehen ist. Die da unten werden wohl an eine defekte Flugzeugtoilette denken, wenn das Zeug ankommt, denke ich mir und lege nochmal einen Mund voll nach.

"Halten Sie sich gut fest, es könnte etwas turbulent werden." gibt mein Ballonfahrer zu bedenken.

"Noch turbulenter als jetzt?" setze ich nach und klammere mich am Korbrand fest. - Der Korb dreht sich noch deutlicher und ich komme mir irgendwie vor wie in einem Daumenkino. Alle Eindrücke verlaufen beschleunigt vor meinen Augen, fern jeder Realität. Vielleicht wache ich ja in den nächsten Sekunden auf und es war alles nur ein Traum.

"Wir werden in wenigen Minuten dort unten am Acker landen." ruft mir mein Fahrer zu und gibt weitere Anweisungen in sein Funkgerät. Unter uns befindet sich zur Zeit ein kleiner Weiher und kein Acker, der Acker kommt wohl erst. Der Korb dreht sich inzwischen weiter und der Ballon wird schlaffer, denn das Leck beginnt sich augenblicklich zu vergrößern.

Der gewünschte Acker nähert sich uns mit einer Geschwindigkeit die mich nichts Gutes ahnen lässt.

"Gehen sie leicht in die Knie und versuchen Sie den Aufprall abzufedern." bekomme ich noch die letzten Anweisungen meines Bordpersonals. Ich tu wie mir geheißen und gehe leicht in die Knie, so wie wir es unzählige Male auch im Yoga machten. Nur die Hände blieben diesmal unten und wurden nicht nach oben hin gefaltet.

"Achtung, wir landen in wenigen Sekunden." ruft mir mein Fahrer noch zu.

Wenige Sekunden später zieht es mir mit einem Ruck die Füße unter dem Korb weg und ich purzle, soweit es im begrenzten Korb möglich ist, durch die Gegend. Danach werden wir noch etliche Meter ungestüm vom sterbenden Ballon über den Acker gezogen, bis er sich in einer herrschftlichen Linde verfängt und hängen bleibt. - Wir sind gerettet, denke ich mir und bedanke mich bei der göttlichen Intelligenz die wir wenige Momente zuvor, hoch oben, noch andächtig streiften.